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Monday
Oct292012

von Detlef Schumacher, Die maßlose Gattin

Der Bericht über die von mir ertappten Taschendiebe hob mich in der Gunst der Leser noch eine Stufe höher. Bald würde ich die höchste erreicht haben. Das war mein Ziel. Aber auch das meiner Kollegen. Mein momentaner Vorteil war, dass ich als ehrlicher und uneigennütziger Mensch gesehen wurde. Über einen solchen Vorzug verfügten die anderen nicht. Im Altersheim hatte sich eine Fanclub gebildet, der meine Artikel wie die Bibel las. Der Pfarrer, der den Alten einmal in der Woche Gottes Gebote erläuterte, wurde gebeten, mich selig zu sprechen.

„Er lebt ja noch“, erklärte er. „Wenn er bei Gott ist, kann solches getan werden. Doch muss er sich vorher vieler gottgefälliger Taten verdient gemacht haben.“

Mir war klar, dass ich mir keinen moralischen Schnitzer mehr erlauben durfte. Mit meiner Höherstufung war nämlich auch eine Gehaltserhöhung verbunden. Was tut man nicht alles für Geld!

Mein Chef hatte mir zudem in Aussicht gestellt, sein Stellvertreter zu werden. Vorausgesetzt, der Glanz meines Heiligenscheins verblasse nicht. Der hatte klug reden. Im Grunde genommen war es ihm um die steigende Leserzahl der ‚Leseratte’ getan. Davon profitierte er. Am meisten aber seine unersättliche Gattin. Die fand sich, wenn nicht im Bett beim Schönheitsschlaf, in einer der Modeboutiquen der Stadt. Mein Chef jammerte, dass sie Unsummen verschlinge. Als seine Nerven wieder mal am Boden waren, weihte er mich in seine Sorgen ein. Er bat mich, eine Möglichkeit zu finden, wie seine Frau von der Bildfläche verschwinden könne. Ich sei doch unverheiratet und deshalb unbelastet in der Moral.

Er machte einen so traurigen Eindruck, dass es mir schwer fiel, ihn von meiner diesbezüglichen Unfähigkeit zu überzeugen. Im Umgang mit Frauen sei ich noch sehr ungeübt, wie er wohl wisse.

Er wisse, hielt er mir entgegen, dass ich im Bett von Frauen lande.

Als hätte ihn plötzlich ein Strahl der Erleuchtung getroffen, klatschte er sich an die Stirn.

„Heureka! – Du musst mit meiner Alten ins Bett! Wie du das machst, ist mir egal. Und was du da machst, auch. Wichtig ist einzig und allein, dass du diese Bettgeschichte an die große Glocke hängst. Mein Weib wird sich zu Tode schämen und außer Haus nicht mehr gesehen werden wollen. Der finanzielle Überschuss, den ich fortan erziele, wird auch für dich gewinnbringend sein.“

Der Chef war wie ausgewechselt. Eben noch zu Tode betrübt, jauchzte er nun himmelhoch.

Ich wollte ihm die Freude zwar nicht verderben, doch schränkte ich ein, dass seine Frau sicherlich mit keinem anderen schlafen wolle. Schon gar nicht mit einem Mitarbeiter ihres Mannes.

Die Chef-Freude flaute etwas ab, doch zeigte sich noch einfallsreich.

„Damit die Sache nicht so offensichtlich ist, verfassen wir eine Klein-Anzeige für die Tageszeitung. In ihr sucht ein junger, attraktiver Mann – mein Chef sah mich spöttisch an – nach einer gut aussehenden Dame mit viel Geschmack für Mode und Schmuck.“

„Das kann die Dame missverstehen“, gab ich zu bedenken. „Sie glaubt bestimmt, der junge Mann habe es lediglich auf den Schmuck abgesehen.“

„Du hast recht“, gestand mein Chef. „Dann muss hinzugefügt werden, dass er, der junge Mann, über eine Fülle an edlem und seltenem Schmuck verfügt.“

„Na klar“, sagte ich „dann habe ich schon in der ersten Nacht ungebetene Gäste im Haus.“

„Deine Anschrift wird verschlüsselt sein, du Dummerchen“, wurde der Chef väterlich. „Wir sollten nicht länger zögern und die Sache schnellstens starten. Dein Einverständnis setze ich voraus.“

Er erhärtete es mit dem nochmaligen Hinweis auf den Posten des Stellvertreters und des höheren Gehalts. Im Überschwang seines Hochgefühls stellte er zwei Gläser auf den Tisch und füllte sie mit schottischem Whisky. Als er mir zuprostete, prostete ich nicht zurück, sondern machte Bedenken deutlich. Ich befinde mich auf dem besten Wege, eine  achtbare Person zu werden. Diese sittliche Reinheit solle sich auch in künftigen Artikeln ausdrücken. Der ‚Leseratte’ werde das noch mehr Leser bescheren. Ich erinnerte den Chef an seine diesbezüglichen Worte.

„Was soll ich nur machen?“ kehrte er in seine verzweifelte Ausgangsstimmung zurück.

„Meine Frau bringt mich um Geld und Verstand.“

Ich kehrte den Spieß um und riet ihm, Eigeninitiative zu ergreifen. Der Möglichkeiten seien viele, wie ein Ehemann die Gattin zur Mäßigung bringen könne.

„Umbringen ist die beste“, ersah er als einzige Lösung.  

„Richtig! Sie landet auf dem Friedhof und Sie im Knast“, schlussfolgerte ich knallhart.

In einer neuen Anwandlung von Hoffnungslosigkeit goss er den Inhalt des Whiskyglases auf ex in sich. Weil seine Schwermut plötzlich leicht wurde, setzte er die Flasche an die Lippen.

Nach einem kräftigen Schluck setzte er sie ab und sprach leicht lallend: „Ich weiß, wie ich’s mache. Ich fahre mit meiner Alten zu einer Modeboutique und kaufe ihr was Teures. Dort begieße ich mit ihr den Einkauf. Sie trinkt, und ich tue nur so. Dann setze ich sie ins Auto auf die Fahrerseite, starte den Wagen und verlasse ihn. Ich eile zur Polizei und sage, dass eine Frau betrunken Auto fahren wolle.“

Mein Chef lachte glucksend. Dieser Einfall freute ihn über alle Maen. Ich ließ ihm diese trunkene Laune. Wäre ich Spielverderber gewesen, hätte ich ihn wissen lassen, dass die  Frau als seine Frau identifiziert würde.

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